Warum fällt es uns so schwer, zuzugeben, dass wir verletzt sind?

Warum fällt es uns so schwer, zuzugeben, wenn es uns nicht gut geht? Wenn wir enttäuscht sind? Wenn wir nicht mehr weiter wissen? Wenn wir manchmal am liebsten alles hinschmeißen und ein neues Leben beginnen würden? Alles vergessen, was bisher war und neu anfangen. Ich dachte, dass ich das hier machen kann. Statt dessen versuch ich hier mit einem Chaos klar zukommen, von dem ich nicht mal weiß, wo ich anfangen soll es irgendwie wieder hinzubiegen.
Hast du nur annähernd eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, wenn du mich entweder in den Arm nimmst oder einfach nur total abweisend behandelst? Ich versteh nicht, wie du das machen kannst. So hin und her. Hast du eine Ahnung, was für ein Gefühlschaos das in mir auslöst? Ich versteh nicht, wie du es irgendwie schaffst mir das Gefühl zu geben, dass ich dir auf die Nerven gehe und es dir sowieso total egal ist. Ist dir das bewusst? Ist dir bewusst, wie verdammt schwer es für mich ist dir in die Augen zu sehen und dich nicht zu küssen? Denn das ist genau das, was ich jedes Mal machen möchte.
Ich dachte, ich krieg dieses Freunde sein schon irgendwie hin. Das tu ich ja auch, aber gerade fühlt es sich so an als würde es mich langsam aber sicher kaputt machen. Und mit ihr, ich glaube nicht, dass ich sie jemals wieder so sehen kann wie ich sie am Anfang gesehen habe, auch wenn ich das vor ein paar Tagen wirklich noch gehofft habe. Nicht, weil sie deine Freundin ist. Nein. Weil ich inzwischen gemerkt habe, wie wahnsinnig naiv sie ist. Ich kann nicht glauben, wie man jemandem jedes verdammte Wort einfach so abkaufen kann ohne auch nur irgendetwas zu hinterfragen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht einen großen Teil des Bildes, das ich von Frauen und der Welt hatte, kaputt gemacht hat. Wenn du einmal verarscht wurdest, dann bist du doch eigentlich nicht mehr so leichtgläubig. Einmal reicht. Du hast gesagt, sie wurde betrogen. Ich denke, sie lebt in Disneyland, aber nicht auf diesem Planeten. Das hätte ich vielleicht nicht gemerkt, wenn alles anders gekommen wäre. Vielleicht hätte sie wirklich jemand Besonderes für mich werden können.
Du tust mir weh. Ich bin keine zweite Wahl. Das zwischen uns, das war in dem Moment vorbei als du dich für sie entschieden hast. Und trotzdem kann ich irgendwie nicht los lassen. Das tut weh. Das macht mich fertig. Ich überlege andauernd, wie ich das ändern kann und mir fällt einfach keine Lösung ein. Ich will dich nicht ignorieren, wie es wahrscheinlich für mein Herz am besten wäre. Du bist der Einzige, der mir hier wirklich nahe steht und mit dem ich reden kann. Der Einzige hier, der mich in den Arm nimmt, wenn es mir schlecht geht. Der Einzige hier, der es schafft mir das Gefühl zu geben, als wäre ich eine der dümmsten Personen auf der ganzen Welt.
Da, wo du überall Probleme siehst, da sehe ich keine. Vielleicht wird dieser ganze Beziehungskram hier so viel anders gesehen als zu Hause, aber normaler Weise sollte es doch kein Problem sein mal ein Wochenende mit Freunden zu verbringen. Hey, Schatz, ich muss einfach mal hier raus. Ich brauch ein bisschen Zeit für mich. Und das sind wir doch jetzt. Freunde. Das ist das einzige, was wir sein können. Mehr kann da nie wieder sein, denn ich weiß ganz genau, dass ich dann all meinen Stolz und mein Selbstwertgefühl verlieren würde. Ich hab schon jetzt viel zu viel davon aufgegeben, die letzten zwei Monate waren viel zu chaotisch als dass ich darauf hätte achten können, irgendetwas davon zu verteidigen.
Und diese gemeine Stimme in meinem Kopf sagt mir, dass es auf den Rest auch nicht mehr ankommt. Küss ihn einfach. Aber es kommt darauf an. Es ist unglaublich wichtig, dass ich das, was verblieben ist verteidige.
Wieder und wieder sag ich mir, scheiß drauf. Vergiss einfach alles, was in den letzten zwei Monaten passiert ist. Vergessen. Warum benutze ich dieses Wort in diesen Zusammenhängen überhaupt noch, das sind doch die Dinge, die ich Jahre später noch immer wieder aufwühle. Das sind doch die Dinge, die ich niemals vergesse. Diese Dinge, die mich ein ganzes Leben lang begleiten. Will ich mir selbst etwas vormachen? Nein, ich kenn mich doch inzwischen wenigstens was das angeht gut genug. Scheiß drauf. Es hat nie etwas bedeutet. Doch, das hat es. Mir hat es etwas bedeutet. Das ist ja der Grund, warum es so wahnsinnig weh tut, dich mit ihr zu sehen.
Ich habe dich gefragt, ob du dieses Wochenende mit mir und ein paar anderen, die ich noch nicht kenne, nach Big Sur fährst. Ich habe dich gefragt. Wie du auf die Idee kommen kannst, dass ich dieses Wochenende, das ich so wahnsinnig dringend brauche weil ich aus dieser Stadt raus muss, die mir keine Luft zum Atmen lässt, genießen könnte, während sich die ganze Zeit mein Herz zusammenzieht, wenn ich dich mit ihr sehe, das weiß ich nicht. Und ich versteh es auch nicht. Bist du so kalt oder denkst du einfach nicht nach? Glaubst du wirklich, ich könnte innerhalb von einer Woche all meine Gefühle für dich ausradiert haben? Und immer wieder dieser Satz, den ich andauernd wiederhole. Das bin nicht ich. Ich werde immer Gefühle für dich haben. Vielleicht nicht so stark wie jetzt, aber sie werden immer da sein.
Selbst wenn ich mich irgendwann neu verlieben sollte. Und ich hoffe, dass ich das bald kann. Damit ich nach vorn schauen kann. Ich will keine Beziehung. Ich will Spaß. Lust. Ausflüge über das Wochenende. Jemanden, dem ich vertrauen kann, mit dem ich lachen kann. Jemanden, für den ich viel empfinde und mit dem ich die Zeit genießen kann, die ich hier noch habe. Aber niemanden, bei dem es mir das Herz bricht, ihn hier zurück zu lassen wenn ich wieder gehen muss. Mein Herz braucht jetzt ein bisschen Zeit für sich selbst. Ein bisschen Zeit, sich zu erholen von all dem, was ich ihm zugemutet habe, seit ich hier angekommen bin.
Heute Nachmittag hast du mich gefragt, was los ist. Es war ja auch kaum zu übersehen, dass es mir nicht gut geht. Ich hab gesagt, ich hab keine Lust mehr auf einfach alles momentan und dass es schon irgendwie wieder wird. Aber der Grund, der Grund dafür, dass ich zwei Stunden durchgeheult habe war, das hier. Das, was ich so wie immer nur diesem Blog anvertraue und ansonsten bestmöglichst in mich hineinfresse. Und Heimweh. Ja Heimweh. Als wäre nicht alles so schon viel zu viel. Aber wenn es hier viel zu viel ist, wieso wunder ich mich denn dann, dass ich Heimweh bekomme. Es ist doch kein Wunder, dass ich grad einfach mal ein bisschen abschalten möchte und das würde momentan nun mal zu Hause am besten gehen.
Und trotz allem ist es mir meistens doch irgendwie möglich, das Beste in jeder Situation zu sehen. Das gibt mir Kraft. Das stärkt mich, weiterzumachen. Genauso wie das Wissen, dass ich schon mehr Herzschmerz überlebt habe.
Lebensmut. Das ist das, das ich mir nicht nehmen lasse. Von niemandem. Nie wieder.

~ von Erdbeere - Oktober 24, 2012.

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